Gedanken zur AusstellungseröffnungAusstellungseröffnung am 9. Januar 2001 (von links): Prof. Dr. Karl-Hermann Korfsmeier, Gunnar Pier, Wolfgang Beckermann - Foto: Winfried Kitzmann

Über Bilder ist schon so viel gesprochen worden, dabei sollten sie doch eher angesehen werden. Gerade aus dieser vermeintlichen Gegensätzlichkeit erklärt sich so manche besondere Bedeutung der Fotos - in der Tageszeitung und auch hier in der Ausstellung .

Das Foto gilt durchaus als ein Zeitdokument, gerade so wie ein Artikel, eine ellenlange Reportage oder ein Kommentar in einer Zeitung. Und, keineswegs aber: Das Foto kann auch ein schmückendes Beiwerk sein. Hier, im Foyer des Rathauses, wird dieser Aspekt zur Schau gestellt.

Freilich lässt sich die Wirkung eines Fotos nicht in Quadratzentimetern messen. Manchmal ist es die tausendstel Sekunden, die eine gute Qualität ausmacht. Manchmal ist es auch eine gewisse Zufälligkeit, die die Wichtigkeit des Fotos ausmacht. Gunnar Pier hat bewiesen, dass er das Metier beherrscht und den Blick zu lenken versteht.

Die 26 kleinen Grevener Geschichten, die hier ausgestellt sind, können Zeugnis darüber ablegen. Es sind die Grevener Situationen, Momente und Momentaufnahmen, die hier von "gap" erzählt werden. Und damit schließt sich der Kreis. In der Zeitung mag manches Bild mehr ausdrücken, als das geschriebene Worte können. Bilder werden besser behalten als Worte - auch wenn es sich hier nicht um einen Darchinger, den großen Pressefotografen, der viele, viele bekannte Persönlichkeiten portraitierte, handelt. In der Zeitung nutzt jeder Leser nur wenige Zehntelsekunden, um das abgebildete Foto zu betrachten. Wobei das auch immer vom Inhalt des Fotos abhängt.

Hier ist nun eine gute Gelegenheit, ein wenig länger, nicht nur heute, vielleicht auch noch Tage später, die Inhalte der Bilder zu studieren. Ich meine, es lohnt sich.

Jürgen Beckgerd, Sportredakteur
Westfälische Nachrichten Greven

Fotografen machen Fotos, damit sie sich jemand ansieht. Unsere Arbeit endet nicht dann, wenn wir das Foto gemacht haben, auch nicht dann, wenn wir es bearbeitet und auf die Seite gestellt haben. Die Arbeit ist erst dann beendet und erfolgreich, wenn jemand das Foto anschaut und sich eine Meinung dazu bildet. Das geschieht natürlich meistens unbewusst. Kaum jemand setzt sich hin und überlegt, ob das Bild gut ist. Aber wer beim Aufblättern der Zeitungsseite ein Bild beachtet oder nicht beachtet, hat schon eine Meinung dazu entwickelt. Beachtet er das Bild, ist es ein gutes Bild. Übersieht er das Bild, ist es schlecht.

Uns Zeitungsleuten geht es ja eigentlich ganz gut. Beinahe alle Fotos in dieser Ausstellung haben wir schon tausendfach gedruckt, wir haben Sie Ihnen in die Briefkästen gesteckt, damit Sie sie sich beim Frühstück anschauen. Trotzdem war es für mich eine spannende Angelegenheit, eine diese Ausstellung zusammen zu stellen. Als ich an einem Abend da saß, um die Fotos auszusuchen, ist mir der unterschiedliche Anspruch deutlich geworden. Ich hatte vorher noch nie richtig darüber nachgedacht. Ein gutes Zeitungsbild ist nicht automatisch ein gutes Ausstellungsbild. Denn in der Ausstellung fehlt der Zusammenhang. Hier ist das Foto nicht Illustration zum Text, sondern muss für sich stehen. Wenn ich beispielsweise losfahre, um ein Foto von der Bismarckstraße zu machen, weil über Tempo 30 diskutiert wird, dann stehe ich da und habe zunächst mal nur eine Straße. Dann muss ich überlegen: Wie kann ich das Foto so gestalten, dass man gleich sieht, wo wir sind? Ich kann das Thema vorkommen lassen, indem ich lange belichte und die Autos mit Bewegungsunschärfe darstelle, ich kann ein unscharfes Tempo-30-Schild in den Vordergrund stellen. Dann fahre ich in die Redaktion und denke: Du hast das Thema gut umgesetzt. Das ist ein gutes Zeitungsfoto. In einer solchen Ausstellung ohne den inhaltlichen Zusammenhang ergibt das jedoch keinen Sinn.

So war diese Arbeit für mich auch eine persönliche Qualitätskontrolle. Ich musste mich damit beschäftigen, auf welchem Level ich wirklich fotografiere. Zu welchem Ergebnis ich gekommen bin, verrate ich Ihnen nicht. Schauen Sie sich die Bilder selber an, bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil. Zu welchem Ergebnis Sie kommen, brauchen Sie mir natürlich auch nicht zu verraten. Viel Spaß.

Gunnar A. Pier